Texte

 

In der Kunst

ist unser Denken und Sehen zweckfrei. Wir sind es gewohnt, unser Sehen und Denken in den Dienst unseres Handelns zu stellen.

Kathrin Wächter richtet sich in Ihrer Kunst nicht danach, Gegenstände abzubilden, sondern erschafft eigene Bildrealitäten; insofern sind ihre Bilder ungegenständ­lich. Wir sehen Farbflächen, die an hellere anstossen, von einer andersfar­bigen Linie gezeichnet oder durch eine bewegte Farbgeste belebt werden. Es entstehen Farbklänge, warme oder kühle Farbwelten. Dem Betrachter eröffnen sich Farbräume. Er ist eingeladen, in einen lebendigen Dialog der Farben und Flächen untereinander einzutreten. Jedes Bild liegt seinem eigenen Bildwer­dungsprozess zugrunde. Am ehesten ist dieser reichhaltige Vorgang vergleichbar mit dem Erinnern oder Charakterisieren einer geliebten Person. Insofern erlebt der Betrachter eine Schicht der Wirklichkeit, die der alltäglichen Gegenstandswelt zwar innewohnt, doch in ihrer Bedeu­tung oder sinnstiftenden Tiefe oft ver­loren geht, obgleich sie dieser erst ihre volle Geltung und Bedeutung zumisst, sie beflügelt oder bejaht. In der Poesie werden hier Metaphern benutzt.

Kathrin Wächter sucht spielerisch die Auseinandersetzung mit den maleri­schen Mitteln der Farbe, der Fläche, des Hell-Dunkel und der Linie im Umgang mit unterschiedlichen Materialien. Sie befragt ihre Bildträger und Farbschichten in jedem Augenblick neu und sucht ihren authentischen Weg zur Bildgestaltung.

Die Malerin schöpft ihre Bilder aus Farb­visionen. Themen ergeben sich aus die­sen und während des Malens. Manchmal ergeben sich Titel beim Malen. Aber oft sind ihre Bilder auch ohne Titel.

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Gegenstand meiner Malerei ist die Farbe zwischen Licht und Dunkelheit. In meinem Malen entwickle und verfolge ich Wege, die auf einem Gespräch zwischen Farbe und Formgebung beruhen. Dabei ist es wichtig, dass der Malprozess offen und lebendig bleibt. Aus der Arbeit heraus können Themen entstehen, die ich dann aufgreife wie z.B. der Kokon….

Der Malvorgang ist für mich wie eine Reise in ein fernes, doch bekanntes Land. Manchmal stehen die Türen zum Eintritt in dieses bekannt Unbekannte offen, und wie beim Erinnern enthüllen sich Schicht um Schicht die Erlebnisse, flies­sen Farben und Formen in unbegrenztem Neben- und Durcheinander ineinander. Doch dies sind eher seltene Momente. Der Malalltag sieht oft auch so aus, dass die Tür klemmt, knarrt oder sich nur leise öffnet.

 

Kathrin Wächter